Eigentlich für 2024 geplant. Wegen Sturm und Überflutung ausgefallen. Hat die Magic 12 Rallye Baden-Würtemberg 2026 endlich stattgefunden. Diesmal bei strahlendem Wetter.
Es ist Samstagmorgen. Um genau zu sein, es ist 03:00 Uhr morgens (oder besser gesagt nachts) als mein Wecker klingelt und es endlich los geht.
Eine Woche Vorbereitung liegen hinter mir. Vor sieben Tagen habe ich alle Unterlagen für die Rallye per E-Mail bekommen. Bilder aller Bonus Punkte mitsamt den zugehörigen Koordinaten im .gpx Format. Eine Woche habe ich meine Route geplant und umgeplant und noch einmal geändert. Jetzt sind alle Daten auf mein Navi übertragen, der Ablaufplan ist geschrieben. Ich habe hoffentlich an alles gedacht. Meine Startnummer habe ich erst Freitagabend kurzfristig per Mail erhalten und ordentlich auf meine Rallyefahne gemalt. Schließlich soll niemand bereits im Vorfeld Bonuspunkte anfahren können. Die Rallyefahne ist ein wichtiges Utensil bei der Magic 12. Nur wenn sie bei jeder Bonus Location im Bild zu sehen ist, werden die Punkte gewertet. Jede Bonus Location verfügt über eine andere Punktzahl. Vor Ort angekommen muss ein Foto gemacht und per E-Mail versendet werden. So können die Punkte in Echtzeit ermittelt werden und nach 12 Stunden Rallye steht der Sieger unmittelbar fest.
03:00 Uhr morgens. Das ist wirklich früh. Aber jeder Teilnehmer kann an jedem beliebigen Ort in Baden-Württemberg ab 05:00 Uhr in das Spiel einsteigen. Ich habe mich für Mannheim entschieden. Ich muss nur an einer Tankstelle meiner Wahl tanken und den Beleg auf dem Ort, Datum und Uhrzeit aufgedruckt sein müssen zusammen mit meinem Tachostand fotografieren. Nachdem ich das Bild an das Rallye Hauptquartier geschickt habe, habe ich bis 17:00 Uhr Zeit Bonuspunkte zu sammeln. Bis dahin muss ich an einer bestimmten Tankstelle in Gäufelden wieder einen Tankbeleg mit meinem Tachostand besorgen und erneut an das Rallyehauptquartier schicken. Damit ist das Spiel dann für mich vorbei und es kann mir der Abendveranstaltung los gehen. Aber dazu später mehr.
Warum habe ich mich für Mannheim entschieden? Ganz einfach. Es ist der nächste Ort in Baden -Württemberg zu meinem Heimatort im Taunus. Wenn ich in Mannheim übernachten möchte, muss ich um 04:00 Uhr aufstehen. Wenn ich mir das Geld für das Hotel sparen möchte, muss ich zu Hause um 03:00 Uhr aufstehen. Mannheim liegt von meinem Heimatort nur eine gute Stunde entfernt.
Da es meiner Meinung nach keinen großen Unterschied macht, ob man um 03:00 Uhr oder um 04:00 aufsteht, entscheide ich mich für die sparsamere Variante und übernachte zu Hause…
Nachdem der Wecker geklingelt hat, gönne ich mir einen schnellen Kaffee und bereits kurze Zeit später sitze ich auf meinem Motorrad und bin unterwegs Richtung Mannheim. Unterwegs bemerke ich , dass ich einen Fehler gemacht habe. Als ich das erste Mal auf mein Navi schaue, sehe ich…nichts. Ich habe tatsächlich die falsche Brille aufgesetzt. Ich kann zwar in der Ferne alles gut erkennen, aber die Informationen auf meinem Navi sind eine einzige verschwommene Masse. Das kann heute ja heiter werden. Zum Glück wird die Sicht auf mein Navi bei zunehmender Helligkeit besser und die Route wird ja auch in meinem Helm angesagt.
Sieben Minuten vor 05:00 Uhr erreiche ich die von mir als Startpunkt auserkorene Tankstelle in Mannheim. Drei andere Teilnehmer hatten anscheinend die gleiche Idee und sind bereits vor Ort. Ich tanke mein Motorrad voll und lasse einen anderen Starter vor mir bezahlen. So kann ich sicher sein, dass die aufgedruckte Uhrzeit auf der benötigten Quittung auch tatsächlich mindestens 05:00 Uhr ist.
Schnell sind die o.g. Formalitäten erledigt und schon bin ich unterwegs und Teil des Spiels. Der erste Bonuspunkt ist nur 2 Fahrminuten von der Tankstelle entfernt und lässt sich aufgrund mangelnden Verkehrs auf den Straßen Mannheims gut ansteuern. Zudem war ich erst beruflich wenige Monate zuvor hier und kann mich gut an die Statue erinnern.
Und nun beginnt die Jagd von einer Bonus Location zur nächsten. Meine Planung funktioniert wie am Schnürchen gezogen. Ich finde bis zur Mittagszeit jeden anzufahrenden Punkt auf Anhieb und muss nicht suchen. Vor Ort erledige ich alle notwendigen Formalitäten in optimalem Tempo.
Absteigen, Rallyefahne aus dem Topcase holen, Bild machen, per Mail an das Rallyehauptquartier schicken. Den nächsten Bonuspunkt auf dem Navi auswählen (ich habe im Vorfeld bereits alle Punkte abgespeichert), ein schneller Schluck Wasser und zurück hinter den Lenker.
Das Wetter ist perfekt. Die Sonne scheint, Vormittags genau die richtige Temperatur zum Motorradfahren. Mittags dann sehr warm, was der Rallye aber nicht schadet.
Für eine Pause von 30 Minuten gibt es 4000 Extrapunkte. Leichter kann man keine Punkte sammeln. Gegen 12:00 Uhr mittags bin ich noch 2 Kilometer von der nächsten Bonuslocation entfernt. Im letzten Kreisel vor dem Punkt steht plötzlich ein Mc Donalds. Leicht anzufahren und mit einem leeren Parkplatz, was bedeutet, dass man vermutlich bestellt und sofort essen kann. Einen besseren Platz kann es für eine Pause eigentlich nicht geben. Für die Pause braucht man zu Beginn wieder eine Quittung, auf der die Startnummer notiert und zusammen mit dem Tachostand fotografiert werden muss. Nach mindestens 30 Minuten wird das gleiche Prozedere für das Ende der Pause benötigt.
Kaum sitze ich mit meinen Essensschachteln und meinem Tablett am Tisch, klingelt mein Handy. Auf dem Display erscheint die Handynummer des Rallyemasters. Das ist kein gutes Zeichen. Und tatsächlich. Ich werde umgehend gefragt, ob ich denn etwas vergessen hätte. Mit voller Überzeugung beschwöre ich, nichts vergessen zu haben. Allerdings muss ich mich eines Besseren belehren lassen. Ich habe morgens um 05:00 Uhr in Mannheim tatsächlich vergessen, meine Startnummer auf der ersten Quittung zu notieren. Ein typischer Anfängerfehler, der im schlimmsten Fall zur Disqualifizierung führen kann. Zum Glück weist mich der Rallyemaster auf meinen Fehler hin und gibt mir die Möglichkeit, meine Startnummer nachträglich auf der Quittung zu notieren und sie noch einmal per Mail zu schicken. Vielen Dank Gerd! Das hätte auch wirklich schief gehen können.
Nachdem ich die Pause offiziell beendet habe geht die wilde Jagd weiter. Und mein Rallyeglück verlässt mich nicht. Bonuspunkt um Bonuspunkt finde ich ohne lange suchen zu müssen direkt auf Anhieb.
Nur noch die Pferderennbahn in Iffezheim und ich habe alle Punkte erreicht. Dann noch eine letzte Autobahnetappe und ich habe es ins Ziel geschafft. Und auf der Pferderennbahn muss ich zum ersten Mal suchen. Zum Glück habe ich einen Zeitpuffer von fast 50 Minuten. Also gilt es einfach ruhig zu bleiben und zu suchen. Irgendwo muss das Schild mit dem Plan der Rennbahn schließlich sein. Zum Glück treffe ich einen freundlichen Mitarbeiter der Rennbahn, mit dessen Hilfe das Schild auch schnell gefunden ist.
Nun aber ab auf die Autobahn. Die letzten 117 Kilometer bis zur Zieltankstelle sind schnell abgespult. Für einen kurzen Moment wird es aber trotzdem noch einmal spannend.
„Tanken oder nicht tanken? Das ist hier die Frage!“
Kennt Ihr das auch? Man ist kurz vor dem Ziel und die Vernunft sagt, es wäre am besten vorher noch einmal tanken zu gehen. Aber, wenn das Ziel eine Tankstelle ist und man dort sowieso die Absicht hat zu tanken, weil man den Beleg braucht um beweisen zu können, dass man rechtzeitig über die Ziellinie gerollt ist….Aber es ist eigentlich auch egal. Auf jeden Fall beschäftigt diese Frage bis geschlagene 20 Minuten und ich entscheide mich mit dem Tanken bis zur Zieltankstelle zu warten. Was zum Glück auch gut geht. Eigentlich war mir klar das der Sprit reichen wird. Trotzdem hasse ich es, dass ich immer wieder in diese Situation komme.
An der Zieltankstelle sind schon einige Fahrer versammelt. Einige sind schon über die Ziellinie gefahren. Andere kombinieren hier den Pausenbonus mit dem Erwerb des Abschlussbelegs. Dieser, zusammen mit einem letzten Foto des Tachostands und der auf den Kassenbon geschriebenen Startnummer (!) markieren das Ende der Rallye.
Nachdem ich das alles erledigt und mir eine Cola gegönnt habe, mache ich mich auf die letzten 3 Kilometer zum Rallyehotel. Alles was ich jetzt noch möchte, ist duschen und raus aus den Motorradsachen. Das Thermometer zeigt um 17:00 Uhr knappe 30 Grad und es wird Zeit für den Motorrad Feierabend.
Der Check in im Hotel ist schnell erledigt. Viele bekannte Gesichter wollen zudem begrüßt werden. Nachdem ist meine Habseligkeiten auf dem Zimmer verstaut und mein Motorrad an die Kette gelegt habe, schaue ich beim Scoring vorbei. Dies ist die letzte Gelegenheit, noch einmal alle gewerteten Bonuspunkte zu überprüfen und eventuell Korrekturen vornehmen zu lassen.
Und kaum wird mir meine Auswertung vorgelegt, bemerke ich einen Fehler, der mir nicht unerheblich Punkte kosten, und meine Platzierung ordentlich nach hinten katapultieren würde.
Ein wichtiger Bonuspunkt für das Erreichen der Mindestorte für die Sonderpunkte der Kombination „Rennstrecken“ steht nicht auf meiner Liste. Die Rennstrecke „Sulitude“ fehlt. Ich bin mir aber a.) absolut sicher, dass ich dort war und b.) das ich eine Mail mit allen erforderlichen Informationen für den Bonuspunkt an die Rallyeleitung verschickt habe. Ein schneller Blick auf mein Handy erklärt das Problem. Ich habe den Versand der Mail zwar angestoßen, die Mail ist aber nicht verschickt worden. Ein technisches Problem. Zum Glück erkennt die Rallye Leitung, dass ich an dem Fehler keine Schuld trage und lässt mich noch einmal in meinem Mailprogramm auf den “Senden Button“ klicken. Und siehe da, schon ist die Mail raus und mir werden die Punkte nachträglich gut geschrieben.
Nun aber wirklich schnell unter die Dusche und ein erstes kaltes Bier habe ich mir wirklich verdient.
Was nun folgt, ist das entspannte Abendprogramm. Ein leckeres Buffet, gute Gespräche rund um alles, was mit Motorradfahren zu tun hat und dann die von allen erwartete Bekanntgabe der Platzierungen.
Aufgrund meiner Punktzahl und der Punktzahl, die ich von anderen gehört habe, vermute ich mich im vorderen Mittelfeld. Und so ist es am Ende tatsächlich auch. Von 55 Teilnehmern auf Platz 21. Damit bin ich sehr zufrieden.
Am nächsten Morgen mache ich mich aufgrund der Wettervorhersage früh auf den Weg. Es ist Regen angesagt und ich möchte gerne trocken nach Hause kommen. Um eine lange Geschichte kurz zu fassen… Ich habe es natürlich nicht geschafft. Auf den letzten 100KM hat der Himmel seine Schleusen weit geöffnet und ich musste meinen Regenmantel doch noch heraus holen.
Aber völlig egal. Hinter mir lag wieder einmal eine Spitzen Rallye der IBA. Ich freue mich schon auf die nächste. Und die kommt bestimmt…