Ride der Religionen

 

Der “Ride der Religionen”, veranstaltet von der Iron Butt Association Germany, kann auf zwei Arten gefahren werden:

 

Bei der  touristischen Variante gilt es die acht größten religiösen Bauten in Deutschland zu besuchen.

 

Diese acht Bauten setzten sich wie folgt zusammen:

 

·         Der Sri Kamadchi Ampal Tempel in Hamm

 

·         Der Ulmer Münster

 

·         Die Jüdische Synagoge in Berlin

 

·         Der Kölner Dom

 

·         Das Buddhistische Haus in Berlin

 

·         Die Merkez Moschee in Duisburg

 

·         Die Griechisch-Orthodoxe Metropolie in Bonn

 

·         Der Ort der interreligiösen Begegnung in Hamm

 

Für diese Variante gibt es kein Zeitlimit und keine vorgegebene Strecke. Es gilt lediglich, Fotos der Bauwerke zu machen und diese zusammen mit dem ersten und dem letzten Tankbeleg, also der offiziellen Start- und Endzeit, zur Beurkundung an die IBA zu senden.  

 

Bei der alternativen Variante gilt es ebenfalls die oben genannten Bauten zu fotografieren. Allerdings unter den Bedingungen eines offiziellen IBA Rides. Zum Beispiel innerhalb von 24 Stunden und unter Erbringung von nachweislich mindestens 1600 Kilometern innerhalb dieser Zeitspanne.

 

Was meint Ihr, für welche Variante ich mich entschieden habe…?  

 

Meine Vorbereitungen am Vorabend eines IBA Rides haben mittlerweile eine gewisse Form von Routine entwickelt. Die Kawasaki wird einem kurzen Check unterzogen(Reifendruck und Öl). Um Unterwegs keine Zeit an Autobahn-Raststätten zu verschwenden, bereite ich mir Mahlzeiten für die geplanten Pausen vor. Alles, was ich unterwegs brauche oder brauchen könnte, von Getränken bis Ersatz-Wäsche wandert in die Koffer meiner Kawasaki. Und zu guter Letzt, lege ich mich früh schlafen, denn ich möchte bereits um 04:00 Uhr wieder aufstehen.

 

Als  dann endlich um 04:00 Uhr am nächsten Morgen mein Wecker klingelt, sind alle guten Vorsätze schnell über Bord geworfen.  Die Müdigkeit hängt noch wie Blei an mir und ich brauche noch etwas Schlaf um den langen Tag, der vor mir liegt zu überstehen.

 

Schon eine weitere halbe Stunde reicht aus. Um 04:30 Uhr stehe ich auf. Nachdem ich in aller Ruhe gefrühstückt  und mich reisefertig gemacht habe, ist es um 05:15 Uhr endlich so weit. Ich steige auf mein Motorrad, gebe auf dem Navi die erste Station des Tages eine und mache mich auf den Weg zur Tankstelle in meinem Heimatort. 

 

Dort tanke ich meine Maschine randvoll und lasse mir einen Tankbeleg ausstellen. Tankbelege werden heute noch eine wichtige Rolle für mich spielen. Der erste Beleg gibt an, zu welcher Zeit (05:25 Uhr) ich in das Spiel eingestiegen bin. Der letzte Beleg bestätigt, dass ich spätestens zur gleichen Uhrzeit am nächsten Tag wieder zurück an meinem Ausgangspunkt war.

 

Alle Tank-Belege, die ich im Laufe des Tages sammle, werden später die von mir gefahrene Route und damit die zurückgelegten Kilometer beweisen.

 

Nachdem ich meinen Kilometerstand und die Adressdaten meiner Start-Tankstelle in meinem Logbuch dokumentiert habe, geht es endlich los. Das erste religiöse Ziel des Tages ist der Münster in Ulm. Die größte evangelische Kirche Deutschlands besitzt mit dem 1890 vollendeten 161,53 Meter hohen Turm den höchsten Kirchturm der Welt. Von meinem Heimatort  im Taunus trennen mich 311 Kilometer von Ulm. Eine Entfernung, die sich um diese Uhrzeit unspektakulär bewältigen lässt. Es ist noch nicht viel los auf der Autobahn und der angekündigte leichte Regen bleibt auch aus. So erreiche ich gute 3 Stunden später mein erstes Ziel. Als Beweis, dass ich tatsächlich vor Ort war, muss ich ein Foto von meinem Motorrad und des Münster machen. Und hier fängt es zum ersten Mal an, ein klein wenig kompliziert zu werden. Das Navi will mich immer wieder in die Fußgängerzone locken. Nur…dort steht nicht nur der Münster, nein…zu allem Überfluss ist auch noch Markttag…und der Markt ist eng mit Verkaufsständen bestückt und jetzt schon gut besucht! Aber auf solche Nebensächlichkeiten kann ich keine Rücksicht nehmen! Also alle bösen Blicke des Marktvolkes ignorieren und mit Schrittgeschwindigkeit durch die Fußgängerzone. Als ich eine gute Stelle für ein Foto  gefunden habe, parke ich die Kawasaki, hänge meine selbstgebastelte Rallye Fahne an die Maschine (braucht man für diesen Ride eigentlich gar nicht, habe ich aus Spaß aber trotzdem gemacht) und mache ein Foto. Spätestens jetzt laufe ich Gefahr, dass die Marktbesucher mich am Turm des Münsters baumeln sehen wollen. Also schnell alles wieder verpackt und nichts wie weg hier. Bevor vielleicht wirklich noch jemand auf dumme Gedanken kommt…     

 

Zurück auf die Autobahn. Die Entfernung zur nächsten religiösen Stätte, der Synagoge in Berlin, beträgt 620 Kilometer. Knapp 6,5 Stunden habe ich dafür eingeplant. 620 Kilometer ist eine Distanz, die auch mich beeindruckt. Um mir die lange Fahrt so kurzweilig wie möglich zu gestalten, greife ich auf ein bewährtes Mittel zurück – Ich jage Mörder! Mit Hilfe meines MP3 Players und dem Kommunikationskit in meinem Nolan Helm kein Problem. Hörbücher helfen mir schon seit geraumer Zeit, die  Langeweile auf großen Distanzen zu bekämpfen.

 

Das Wetter ist heute nicht immer auf meiner Seite. Immer wieder gerate ich in kurze, aber heftige Regenschauer. Nicht schön, aber auch nicht zu ändern.

 

Meine Tankstopps, die ich zwischendurch immer wieder einlegen muss, dienen bei  meiner Tour nicht nur der einfachen Aufnahme von Kraftstoff. Für die Beurkundung meiner Tour durch die Iron Butt Association, muss ich belegen können, welche Strecke ich innerhalb welchen Zeitraums gefahren bin. Und das funktioniert ausschließlich über Tankbelege.  Also dokumentiere ich bei jedem Tankstopp in meinem Logbuch den Ort der Tankstelle und den jeweiligen Kilometerstand. Das Datum und die Uhrzeit wird bei der Prüfung durch die IBA den Tankquittungen entnommen.

 

 In der Mittagszeit nutze ich eine Phase mit Sonnenschein für eine kurze Mittagspause. Man muss schließlich zwischendurch auch etwas essen. Allzu lang unterbreche ich meine Tour allerdings nicht. 20 Minuten müssen reichen. Gegen Ende des Tages werde ich vielleicht noch für jede gesparte Minute dankbar sein.

 

Gegen Nachmittag erreiche ich endlich Berlin. Um die größte, 1953 wieder eingeweihte Synagoge Deutschlands im Kollwitz Kiez zu erreichen, muss ich aber erst einmal quer durch die ganze Stadt. Dabei stellt sich mir nach kurzer Zeit die Frage, ob die Berliner Städteplaner ihre Ampeln ausschließlich mit roten Lichtern ausgestattet haben…

 

Eine unglaubliche Blechlawine schlängelt sich durch die Hautstadt. Kurz vor Erreichen der Synagoge muss ich wieder einen Wochenmarkt großräumig umfahren. Kauft denn heutzutage niemand mehr online ein?!? Endlich habe ich es geschafft und parke vor meinem Ziel. Überall absolutes Halteverbot und Sicherheitszone. Das hatte ich befürchtet. Und wie sollte es anders sein? Kaum habe ich die Maschine abgestellt, hält auch schon ein Streifenwagen der Berliner Polizei neben mir und macht mich freundlich aber bestimmt auf mein Vergehen aufmerksam. Aber ich habe Glück,  und die Beamten verstehen, dass ich nur ein schnelles Foto machen will. Also los! Motorrad richtig im Bild platzieren – Rallye Fahne am Motorrad befestigen –Foto schießen. Und schon geht es weiter…

 

In Berlin gilt es eine weitere religiöse Stätte zu besuchen. Das „Buddhistische Haus“ gilt als ältester buddhistischer Tempel Europas. Nur liegt er leider am anderen Ende der Stadt. Das heißt, auf mich warten wieder jede Menge rote Ampeln und viele genervte Dosenfahrer…

 

Immerhin ist der Tempel schnell gefunden. Er liegt in einem ruhigen Wohnviertel, in dem man ohne Angst vor einem Strafzettel der örtlichen Behörden halten, und seine Fotos machen kann.

 

Bis jetzt läuft alles nach Plan…

 

Lange halte ich mich in Berlin nicht mehr auf. Ich habe schließlich erst knapp die Hälfte der geplanten Tour hinter mich gebracht. Der nächste geplante Stopp ist Hamm und bis dahin sind es, vorbei an Magdeburg und Hannover 460 Kilometer, die ich hinter mich bringen muss. Da ich auf dem Weg nach Hamm noch eine Pause für das Abendessen einlegen will, werde ich die nächsten zu besuchenden religiösen Stätten erst nach Einbruch der Dunkelheit erreichen. Das wird das Ganze nicht unbedingt einfacher machen…

 

Gegen 20:00 Uhr bin ich in der Nähe von Hannover und es wird, solange es noch hell ist, Zeit für das geplante Abendessen. Da ich mir bereist zu Hause eine Mahlzeit vorbereitet habe,  spare ich mir die Zeit,  die das Anstehen in einem Autobahn Restaurant kosten würde. Eigentlich habe ich für die Pause 30 Minuten eingeplant, aber meine innere Stimme treibt mich an und ich halbiere die Pausenzeit. Irgendwie ahne ich, dass ich die gesparte viertel Stunde heute Nacht noch brauchen werde.

 

In Hamm angekommen, ist es bereits stockdunkel. Hier gilt es den Sri Kamadchi Ampal, die größte tamilische Hindu Gebetsstätte Europas,  zu finden. Das ist zum Glück kein Problem. Der Tempel liegt einsam und verlassen mitten in einem Gewerbegebiet. Außer einem stockbetrunkenen Radfahrer findet sich hier weit und breit kein Mensch. Zum Beweis, dass ich tatsächlich hier war, folge ich der bekannten Prozedur: Parken, Rallye Fahne, Foto… Allerdings wird es jetzt  immer schwieriger Fotos zu machen. Die Dunkelheit bereitet mir Probleme. Ich hätte anstelle meiner kleinen Nikon AW110 vielleicht doch besser meine große Spiegelreflexkamera mitnehmen sollen. Aber zu spät. Es gilt jetzt das Beste aus der Situation zu machen. Auch wenn das bedeutet, dass ich ab jetzt für ein halbwegs verwendbares Bild, mehrere Anläufe brauche.

 

Hamm hat den Vorteil, dass sich auch hier zwei zu besuchende Orte befinden. In 15 Kilometern Entfernung zu  meinem aktuellen Standort befindet sich „der Ort der interreligiösen Begegnung“. Jede der großen Weltreligionen ist hier mit einem kleinen eisernen Denkmal vertreten.

 

Was mich bereits bei meiner Planung irritiert hat, ist das mein Ziel über keine Hausnummer, sondern nur über einen Straßennamen verfügt.  Nach den Erfahrungen meiner bisherigen IBA Rides-  und Rallyes weiß ich, dass das in der Regel nichts Gutes bedeutet.   Und es kommt, wie geahnt. In der angegebenen Straße angekommen, sehe ich alles, nur keinen Ort der interreligiösen Begegnung.  Hier gibt es nur eine lange Straße, die in einer Sackgasse endet. Ich frage in einem in der Straße gelegenen Vereinsheim – ohne Erfolg. Ich frage zwei auf einer Parkbank sitzende Jugendliche – ohne Erfolg. Mehrfach fahre ich die Straße auf und ab, bis ich plötzlich den Eingang zu einem kleinen Park entdecke. Da es schon spät und weit und breit niemand zu sehen ist, fahre ich in den Park hinein. Und siehe da, schon stehe ich vor den Denkmälern. Die Parkbeleuchtet reicht sogar für ein annehmbares  Foto.  So weit so gut. Aber die Suche hat mich viel Zeit gekostet. Zeit, die ich nicht habe. Der nächste Stopp wartet schon in Duisburg auf mich. Bis dahin sind es 86 Kilometer, für die ich 1 Stunde eingeplant habe…

 

 Gegen 01:00 Uhr hält sich der Verkehr auf der Autobahn in Grenzen. Gut so! An einem Samstag bin ich nachts nicht gerne auf dem Motorrad in der Nähe von Ballungsgebieten unterwegs. Ich möchte lieber gar nicht wissen, wie viele Fahrer hier nicht mehr ganz nüchtern unterwegs sind…

 

Aber ohne Zwischenfälle erreiche ich Duisburg. Hier wartet im Stadtteil Marxloh die größte Moschee Deutschlands auf mich. Marxloh ist offensichtlich ein kleines, ruhiges Stadtviertel. Kaum ein Mensch auf der Straße und die Moschee ist auch schnell gefunden. Das hatte ich mir ganz anders vorgestellt. Eher mitten im Stadtzentrum. Aber soll mir recht sein. Ein großer Parkplatz für mich ganz alleine und ein hell beleuchtetes Gotteshaus. Was will der Reisende mehr? Schnell ist alles Erforderliche abgewickelt und weiter geht die Reise nach Köln. Der Dom wartet! Das immerhin dritthöchste Kirchengebäude der Welt.

 

Und wieder eine Stunde bis zum nächsten Ziel. Und wie immer kommt mir langsam die Frage…“Was tust Du Dir hier eigentlich an“?!? Aber diese Frage an mich selbst kenne ich schon von meinen vorherigen IBA Touren. Einfach ignorieren, die Eisernen Backen zusammenkneifen und weiter fahren. Das Gefühl, wenn alle geplanten Orte dokumentiert sind und ich an meiner Stamm-Tankstelle im Vordertaunus den letzten Tank-Beleg bekomme, wird mich  alle Strapazen vergessen lassen.

 

Aber erst einmal Köln. Wie befürchtet, finden sich um diese Uhrzeit hauptsächlich „Volleulen“ auf den Gehwegen, die sich kaum noch auf den Beinen halten können. Wie mag das hier erst am Rosenmontag aussehen? Der Dom ist recht schnell gefunden. Er ist ja auch aufgrund seiner Größe nicht zu übersehen. Aber wie soll ich an ihn für mein Foto heran kommen? Egal, welche Straße ich versuche, überall steht die Polizei und sperrt ab. Mein Zeitpuffer schmilzt. Für so etwas habe ich langsam keine Zeit mehr. Jetzt hilft nur die Offensive! Ich parke die Kawasaki zwischen zwei Streifenwagen mit laufendem Blaulicht und wünsche den Beamten gutgelaunt einen guten Morgen. Schade, dass ich die Gesichter nicht fotografieren kann, als ich meine Rallye Fahne aufhänge und ein Foto mache. Eigentlich hätten die meine Rallye Fahne auch mal kurz halten können, aber die Frage „Geht´s noch????“ klingt nicht nach dem Beginn einer wunderbaren Freundschaft. Besser nichts wie weg hier…

 

Endlich naht das letzte Zwischenziel. Nur noch 37 Kilometer von Köln bis Bonn und ich kann auch die Griechisch Orthodoxe Metropolie abhaken. Sie bildet  die Diözese für Deutschland und ist gleichzeitig Exarchat von Zentraleuropa. Sag noch mal einer, Reisen würde nicht bilden. Recht unspektakulär liegt sie mitten in einem ruhigen Wohngebiet. Was mir hier etwas Probleme bereitet, ist die schlechte Beleuchtung des Gebäudes. Nach unzähligen Versuchen, habe ich schließlich ein halbwegs akzeptables Foto im Kasten. Hoffentlich sieht das der Auswerter bei der IBA auch so…

 

Jetzt aber fix. Ich habe noch genau 146 Kilometer bis zu meiner Ausgangstankstelle vor mir und  nur noch knapp 2 Stunden Zeit. Aber um 03:15 Uhr morgens gehört sogar die A3 mir fast alleine und ich schaffe es um 04:45 Uhr über die Ziellinie. Schnell getankt und es ist geschafft!!

 

In 24 Stunden bin ich 1760 Kilometer gefahren und habe die 8 größten religiösen Bauten Deutschlands besucht. Bekloppt denkt Ihr? Bestimmt, mir aber hat es einen riesen Spaß gemacht und auch wenn ich jetzt müde bin und mein Hintern stocktaub ist, überlege ich auf der Fahrt  von der Tankstelle zu meinem Haus, was ich wohl als nächstes verrücktes mit dem Motorrad anstellen könnte….   

 

 

 

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