Sicher durch den Regen

 

Wer kennt das nicht? Die Tour startet bei strahlendem Sonnenschein. Der Asphalt ist trocken und der Grip könnte besser nicht sein. Jeder Gedanke an Regen wäre reine Zeitverschwendung...

 

Und plötzlich wird der Himmel nach ein paar Stunden on Tour schwarz und es beginnt zu regnen, als ob alle Schleusen im Himmel auf einmal geöffnet wären.

 

Viele Motorradfahrer verfallen in diesem Augenblick regelrecht in eine Schockstarre und suchen schnellstmöglich ein trockenes Plätzchen, um auf das Ende des Regens zu warten.

 

 Ist das wirklich notwendig?

 

 Was, wenn es aus Zeitgründen nicht möglich ist, auf besseres Wetter zu warten?

 

 Was, wenn eine Schlechtwetterfront sich der geplanten Tour anzupassen scheint?   

 

Befolgt man 10 einfache Grundsätze verlieren Touren auf nasser Fahrbahn schnell ihren Schrecken:

 

1.       Gas weg!

 

Der einfachste Schritt zurück in die eigene Komfortzone ist die Verringerung der Geschwindigkeit.

 

Es steht nirgendwo geschrieben, dass Du bei Regen in tiefster Schräglage durch die Kurven der Landstraße sprinten musst. Wer sagt, dass Du bei Regen auf der linken Autobahnspur risikoresistenten Sportwagenfahrern hinterherrasen musst?

 

Wenn sich die Fahrt mit 100 km/h auf der Autobahn oder mit 80 km/h auf der Landstraße so anfühlt, dass Du das Motorrad beherrscht und nicht das Motorrad Dich, ist dem Regen der erste Schrecken genommen.

 

Je sanfter Du Gas und Kopplung bedienst, je weicher Du herunterschaltest, desto weniger wirst Du unangenehme Überraschungen erleben.

 

2.       Meide Schräglage!

 

Bei verringerter Geschwindigkeit sind bei Kurvenfahrten keine maximalen Schräglagen erforderlich. Und damit verringert sich automatisch die Gefahr, dass in der Kurve die Reifen wegrutschen.  

 

 Klingt ganz einfach. Ist es auch…

 

Bei nasser Fahrbahn kann es zudem sinnvoll sein, eine Kurve in einem höheren Gang zu nehmen, als auf trockener Straße. Besser mit weniger Drehzahl weich und gleichmäßig aus der Schräglage beschleunigen.

 

Die optimale Linienführung einer Kurvenfahrt, spielt bei Regen eine noch wichtigere Rolle, als bei trockener Fahrbahn. 

 

3.       Lese die Straße & fahre Vorausschauend!

 

Auf nasser Fahrbahn hast Du mehrere Feinde, mit denen Du dich besser nicht anlegst:

 

Kanaldeckel, Bitumenstreifen, Fahrbahnmarkierungen ,Kopfsteinpflaster, Straßenbahnschienen, Öl & Benzinflecken in Kreisverkehren und an Kreuzungen!

 

Diese Feinde der Regenfahrt haben eins gemeinsam…Sie verringern extrem die Haftungt Deiner Reifen und würden Dich gerne zu Fall bringen!

 

Aber Du als Fahrer bist im entscheidenden Vorteil. Du kennst diese Feinde und kannst ihnen aus dem Weg gehen. Das schaffst Du durch eine konzentrierte und vorausschauende Fahrweise. Dein Blick gehört  nicht in den Bereich kurz vor Deinem Vorderrad, sondern weit nach vorne. So hast Du genügend Zeit, potenzielle Gefahrenstellen rechtzeitig zu erkennen.

 

Besonders, wenn es lange Zeit nicht geregnet hat, ist die Straße mit Vorsicht zu befahren. In den Poren des Straßenbelags lagern jede Menge Öl, Staub und Gummiabrieb. Beginnt es zu regnen, verhält sich diese Mischung wie Schmierseife. Nach einigen Regentagen hintereinander nimmt dieser Effekt allerdings ab.  

 

Auch auf einer nassen Straße lassen sich oft trockene Stellen finden. Häufig in den Spuren der PKWs. Diese fahren die Strecke für Dich trocken und sauber. Häufig sind diese Spuren mit bloßem Auge zu erkennen. 

 

4.       Halte Abstand zum Vordermann!

 

Vermeide den Nervenkitzel, ob der Bremsweg zum Vordermann ausreicht oder nicht. Halte so viel Abstand, dass Du auch ohne blockierende Reifen oder eingreifendes ABS  anhalten kannst. Du  bist wesentlich entspannter unterwegs und auf die Erkenntnis, dass der Bremsweg zu kurz war, kannst Du bestimmt verzichten.

 

5.       Bremse vorsichtig und halte Deine Bremsscheiben trocken!

 

Grundsätzlich ist von starken Bremsungen  abzuraten. Soweit möglich, immer mit viel Gefühl bremsen, sonst machst Du schneller mit dem Straßenbelag Bekanntschaft, als Dir lieb ist. 

 

Bei längeren Regenfahrten kann sich ein Wasserfilm auf Deinen Bremsscheiben bilden. Wenn Du allerdings ab und zu ein wenig „anbremst“, behält Deine Bremsanlage die volle Leistung.

 

 6.       Trage die richtige Regen Ausrüstung!

 

Wie willst Du entspannt fahren, wenn Du bis auf die Knochen nass bist und frierst?

 

Für eine entspannte Fahrt durch den Regen ist das eigene Wohlbefinden ein wichtiger Faktor. Die beste Kombination ist daher ein guter Regenkombi, wasserdichte Stiefel und Handschuhe.

 

Textil  Motorradkleidung (auch mit Membran) hat häufig den Nachteil, dass sie nach einigen Stunden im Regen schwer wird und den Fahrer auskühlen lässt. Lederkleidung hat nach einiger Zeit den Hang, von außen und innen gleichermaßen nass zu sein. 

 

Ob der Regenkombi ein Ein- oder Zweiteiler sein soll, muss jeder nach eigenem Geschmack entscheiden. Zweiteiler lassen sich häufig besser über die eigentliche Montur anziehen. Einteiler verhindern dafür auch nach mehreren Regenstunden das Eindringen von Wasser zwischen Jacke und Hose.

 

Wer die Ausgaben für wasserdichte Stiefel und Handschuhe scheut, kann Überzieher verwenden, die jeder Zubehör Anbieter im Programm hat.

 

Ach ja…2 Dinge sind beim Thema Regen Ausrüstung natürlich generell zu beachten. Sie macht zum einen nur Sinn, wenn Du sie immer dabei hast. Was nutzt die beste Ausrüstung, wenn unterwegs das Wetter umschlägt und Deine Sachen ordentlich verpackt im Keller liegen? Zum anderen, zieht man die Regen Ausrüstung am besten an, bevor es anfängt zu regnen. Sobald sich der Himmel zuzieht, kann man sich einen ruhigen und sicheren Platz zum Anziehen suchen. Wenn man bereits nass ist und der Platz zum Anziehen eine Autobahnbrücke , an welcher Autos mit 150 km/h in 2 Meter Abstand an Dir vorbei fahren, ist das Anlegen der Regen Ausrüstung eine Erfahrung, die man nicht machen muss…

 

 7.       Mach Dich nicht unsichtbar!

 

Der Himmel ist grau und gerade auf der Autobahn hängt schnell ein dichter Vorhang aus Regen und Gischt.

 

Jetzt komplett schwarz  gekleidet unterwegs, und die einzige Beleuchtung nach hinten ist eine kleine rote Lampe, die vielleicht aus Gründen der optischen Erscheinung des Motorrads gerade die Minimalgröße der gesetzlichen Vorschrift erfüllt.

 

Man kann zu reflektierenden Westen und neongelben Regenkombis stehen wie man möchte. Ich für meinen Teil bin lieber ein paar Stunden im Regen ein „uncooler Weichei Biker“, als für die nächsten Wochen der „harte Rocker“ in der Reha Klinik…

 

Die Sichtbarkeit gilt natürlich auch für die Fahrtrichtung. Wenn man die Zusatzscheinwerfer nicht bei schlechter Sicht einschaltet, wann denn dann…?

 

 8.       Behalte den Durchblick!

 

 Genauso wichtig wie das gesehen werden, ist es auch, den eigenen Durchblick zu bewahren. Es trägt  nicht zu einer sicheren Fahrt bei, wenn Dein Visier beschlagen ist und Du vor lauter Regentropfen nichts mehr sehen kannst.

 

Dem kannst Du mit einfachen Mitteln Abhilfe schaffen. Achte beim Helm Kauf auf ein Doppelvisier. Dabei ist eine zweite, kleinere Scheibe innen angebracht und mit der Hauptscheibe verstiftet. Ein Doppelvisier arbeitet nach dem gleichen Wärme-isolierenden Prinzip, wie ein doppelverglastes Fenster zu Hause. Einfach ausgedrückt: Zwischen den Scheiben befindet sich ein Hohlraum, der luftdicht verschlossen ist und der Wärmedämmung dient. In einem Motorradhelm verhindert die Doppelverglasung das Beschlagen des Visiers durch Atemluft. Falls Dein Helm über die notwendige Vorbereitung verfügt, kann er auch nachgerüstet werden.

 

Den Regentropfen auf dem Visier kann man mit Hilfe von Handschuhen begegnen, die auf dem Zeigefinger der linken Hand einen kleinen Gummistreifen eingenäht haben. Mit diesem kann man bei Bedarf, ähnlich dem Scheibenwischer eines Autos, über das Visier wischen und hat für einige Zeit wieder bessere Sicht.

 

9.       Wähle die richtigen Reifen!

 

Um für alle Wetterlagen gerüstet zu sein, ist ein Reifen wichtig, der ein möglichst breites Einsatzspektrum abbildet. Ein „Hypersport“ oder „Racing“ Reifen ist  für eine Regenfahrt sicherlich nicht das Mittel der Wahl.

 

Zudem solltest Du die Profiltiefe und den Reifendruck regelmäßig kontrollieren.  Eine gute Reifenhaftung ist die Grundvoraussetzung für eine sichere Fahrt im Regen. 

 

 10.   Bleib locker und entspannt!

 

Wenn Du die Punkte 1-9 beachtest, gibt es keinen Grund, warum Du angespannt auf Deinem Motorrad sitzen solltest. Beiß nicht auf die Zähne, verkrampfe nicht die Schultern…bleib locker!

 

Du kennst alle Regeln, wie Du sicher durch den Regen kommst. Du musst sie nur anwenden und kannst Deine Fahrt entspannt vorsetzten…

 

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